Leitbild Riebeckplatz – Halle (Saale)

Nur einen Kilometer vom historischen Zentrum entfernt am Riebeckplatz hat die Stadt Halle ein hohes Entwicklungspotential. Sie verfügt die Stadt über große Flächenreserven mit bester verkehrlicher Anbindung an das bundesweite Straßen- und Hochgeschwindigkeitsschienennetz. Kann der Platz als Fokus einer radikal gedachten Innenentwicklung konzipiert werden? Eine Innenentwicklung, welche die oftmals peripher angesiedelten Funktionen Dienstleistungszentrum und Kongresszentrum als verdichtete Strukturen belebend in das Stadtgefüge integriert?

Das Konzept Vier Portiers, ein roter Teppich und viele Brückentage basiert auf der Neuinterpretation der verschiedenen topographischen Ebenen, Stadthorizonte und Zeitschichten und gibt einen die Ortsgeschichte weiterentwickelnden Ausblick:

1. Die Portiers sind vier figurative Solitäre, die paarweise den Verkehrsraum überkreuzende diagonale Beziehungen herstellen. Zwei von ihnen sind als 14-geschossige Hochpunkte ausgeprägt, deren Setzung die ökonomische, verkehrliche und kulturelle Verschiebung des 21. Jahrhunderts widerspiegelt. Im Gegensatz zu den zwei Hochhäusern der 60er Jahre bilden sie nicht mehr das Tor zur Industriestadt Halle-Neustadt, sondern sind weit sichtbare Orientierungspunkte auf der Wegachse Bahnhof-Altstadt. Mit Stadtverwaltung und ICE Hotel werden öffentliche, aktive Funktionen am Stadteingang positioniert.

2. Zwei weitere 5- und 6-geschossige Portiers greifen unter den Straßen (Franckestraße und Delitzscher Straße) hindurch und schließen in einer Art Handschlag an das Rondell an. Sie aktivieren damit die untere Riebeckplatzebene und ergänzen den Umbau von 2006 des nur autogerechten Verkehrsknoten in eine von Einzelhandel begleitete Fußgängerzone. Bildung, Kultur und das Schaufenster des Kongresszentrums geben dem Rondell räumliche Tiefe und bilden die programmatische Mitte des Dienstleistungszentrums. Die Bereiche unter der Straße werden durch Oberlichter in den Verkehrsinseln großzügig belichtet und wirken in den öffentlichen Bereich hinein.

3. Die Portiers stehen vor einem baulichen Rahmen, welcher die Riegelbauten der Nachkriegsmoderne einbindet. Von dort markieren sie von den anderen Platzseiten sichtbar die Zugänge zu den anschließenden Stadtgebieten. Diese sind kleinmaßstäbliche und räumlich abwechslungsreich in ihrer Struktur, und greifen die Höhen der gründerzeitlichen Bebauung auf.

4. Der Rote Teppich in der Mitte der räumlichen Fassung greift die gründerzeitliche Schmuckfunktion des alten Platzes auf und stellt die Hochstraße als städtebauliches Monument der 60er/70er Jahre aus.

Das bestehende Verkehrsgrün wird nicht als „Grün“ wahrgenommen. Daher soll die Vegetation eine andere Farbe bekommen: Der Flor des roten Teppichs wird durch rot und blau blühende Wiesenstauden, Gräser und Kräuter gebildet. Durch den autofreien Brückentag lässt sich die Hochstraße als benutzbares Bauwerk erfahren. Es wird für Skater, Radfahrer, Fußgänger und kulturelle Aktivitäten freigeben. Es können  Samenbomben geworfen werden, die die Fläche nach dem Aufgehen der Saat einfärben.

Ziel ist eine auch aus der Fußgängerperspektive erfassbare bauliche Fassung des Riebeckplatz und eine kraftvolle, eigenständige Adresse im Stadtgefüge Halles. Am Roten Teppich empfängt eine Gruppe von charakteristischen Portiers die Besucher und Bewohner Halles und leitet sie, höflich, jeder auf seine besondere Art, in die angrenzenden Stadtgebiete. Die fußläufigen Verbindungen werden durch Programmierung und die kulturellen Resultate der Brückentage verbessert.

 

Städtebauwerkstatt Leitbild Riebeckplatz
Auslober: Stadt Halle (Saale)
Team: Sabine Müller, Andreas Quednau, Silke Heydasch, Jorge Valiente Oriol, Adrian Calitz
in Zusammenarbeit mit Anna Viader (Landschaftsarchitektur)

Stadt
28/07/2014