Überseeinsel – Bremen

Das Kellogg-Areal kann bei der Entwicklung der Überseestadt und des Bremer Westens eine Schlüsselstellung einnehmen. Zwischen Weser und Hafen gelegen, spiegelt es die jüngere Industrie- und Handelsgeschichte Bremens wider. Aufgrund dieser Lagegunst und der historischen Substanz bietet das Kellogg-Areal für Bremen die Chance einen innerstädtischen und gleichzeitig wasserorientierten Stadtteil mit addressbildenden Standorteigenschaften, hoher Lebensqualität im Stadtteil und freiräumlichen Angeboten für die Stadt insgesamt zu realisieren. Es teilt sich in klar identifizierbare, gemischte Quartiere, jedes mit direktem Bezug zur Weser, wobei jedes wiederum einen belebenden Beitrag zur Stadtübergreifenden Weserpromenade leistet.

Als Teil der stadtübergreifenden Entwicklung wird zentral im Kellogg-Areal, am Hansator ein platzartiges Entree zur Südseite des Europahafens und zur Weser ausgebildet. In unmittelbarer Nähe dazu sollen der Kellogg-Silo sowie die benachbarte Stahlfachwerkhalle erhalten bleiben und u.a. als Street Food Market umgenutzt werden. Als Landmarken markieren sie den emotionalen Ort im Gebiet und erinnern an die jüngere Geschichte Bremens; ergänzt durch den Schiffsanleger „Kellogg-Kaje“ kann dieser zu einem touristischen Zielort entwickelt werden.

 

Südseite Europahafen
Das Konzept für das Kellogg-Areal ist Teil einer stadtteilübergreifenden Strategie für die Südseite Europahafen, die insgesamt eine wichtige Rolle im Kontext der westlichen Stadteile Bremens übernehmen kann, insbesondere durch Freiflächenangebote für den unterversorgten Stadtteil Walle.

Die Qualitäten des Flussraums der Weser machen die Südseite des Europahafens zu einem besonderen Ort, wie er sonst in der durch Hafenanlagen geprägten Überseestadt nicht noch einmal zu finden ist. Da der Zugang zur Weser in der Morphologie Bremens eingeschrieben ist, soll auch hier das Ufer der Weser als Aufenthaltsort gestaltet und mittels Brückenschlags über das Becken des Europahafens für die übrige Überseestadt zugänglich gemacht werden. Großzügige freiräumliche Angebote werden mit Biotop an der Molenspitze und einem vielfältig nutzbaren Park auf dem Exxon-Gelände sowie der die Schlachte und Molenspitze verbindenden Promenade geschaffen.

Auf der Südseite Europahafen wird das Ziel gemischt genutzter Quartiere verfolgt, die dem Leitmotiv der „Produktiven Stadt“ verpflichtet sind und hybride Nutzungscluster ausbilden. In Abhängigkeit zu den „Talenten“ der unterschiedlichen Lagen und Vorprägungen durch landschaftliche Situationen, Zentralitäten, Gebäudebestand und Nutzungssituation werden im Bereich der Landzunge programmatische Steifen vorgeschlagen: Wohnen zur Weser, gewerbliche Nutzungen im Gleisstrang, so dass sich entlang der Hoerneckerstraße ein „produktiver Rücken“ mit Bezug zum Hafenbecken ausbildet. Der vorläufige Erhalt von Bestandsgebäuden wurde bei der Struktur der Quartiere bewusst mitgedacht.

Räumlich ist die Südseite des Europahafens zum einen geprägt durch die lineare Hafenkante mit ihren langen, monumentalen Schuppengebäuden und zum anderen durch ein vielfältiges Flussufer, dessen gebrochener Rhythmus durch die großen Einheiten industrieller Nutzung geprägt wurde. Zentral zwischen diesen beiden Flanken liegt der charakteristische Bogen des Gleisstrangs.

Die städtebauliche Struktur nimmt die Gliederung der Schuppen und den Weserrhythmus für die Quartiersbildung auf und verbindet durch grüne Fugen beide Flanken miteinander. Im Bereich des Brückenschlags über das Hafenbecken und im Bereich der „Sonnenfängerbucht“ öffnen sich die Fugen jeweils zu einer Wasserseite und nehmen stadtteilrelevante Sport- und Spielflächen auf. Die Radien des Gleisstrangs motivieren die Verschwenkung der Wegeführung zwischen Weser und Hafen, und bilden innerhalb der Quartiere Platzbildende Versatze im Straßenraum aus.

 

Kellogg-Areal – städtebauliche Gliederung
Von Osten nach Westen gliedern grüne Fugen das Kellogg-Areal in vier unterschiedliche, aber alle auf den Flussraum ausgerichteten Quartiere: Erste Lage, Kellogg-Höfe, Kellogg-Quartier und Atlasquartier. In Auseinandersetzungen mit dem historischen Footprint des Fabrikgebäudes Fa. Kelloggs markiert das Ensemble der Kellogg-Höfe den Endpunkt der Achse Hansator.

Alle Quartiere sind hinsichtlich Nutzungen und Nutzern gemischt, jedoch mit unterschiedlichen Gewichtungen. Die unternehmensorientierten Adressen „Erste Lage“ und „Kellogg-Höfe“ liegen im Osten, die familienorientierten Quartiere liegen im westlichen Abschnitt des Kellogg-Areals. Vorgelagert ist allen Quartieren die sich von Osten von hart nach weich entwickelnde Weserpromenade. Atlasquartier und Kellogg-Quartier werden durch stadtverträgliches produzierendes Gewerbe, wie bspw. kleinteilige Manufakturen oder digitale Arbeitsformen im Gleisstrang und entlang des Hafenbeckens ergänzt.

Die durch die neue Entwicklung Auf der Muggenburg/ Stephanitorsbollwerk vorgegebene Bebauungshöhe wird nach Westen bis zum Knotenpunkt Hansator/ Auf der Muggenburg als Regelbebauungshöhe fortgeführt. In den übrigen Quartieren variiert die Bebauungshöhe zwischen drei und fünf Geschossen. Stadtstrukturell besondere Orte, wie die Endpunkte der Achse Hansestraße/ Hansator (Kellogg-Höfe), sowie die nordwestlichen Ecksteine der Quartiere und der Knickpunkt der Weserpromenade an der „Sonnenfängerbucht“ werden durch Hohe Häuser (mit bis zu 8 Geschosse) markiert und formulieren eine gliederte Stadtsilhouette zur Weser.

Innerhalb der Quartiere wird eine Varianz, vielfältige Nutzergruppen ansprechende, baulicher Typologien angestrebt: Blöcke mit für Bremen typischen 3- bis 4-geschossigen Stadthäusern, Geschosswohnungsbau mit „Mehr als Wohnen“, sowie Durchlässigkeit zu den grünen Fugen gewährleistende Punkthäuser.

 

Nutzungsstruktur
In den Quartieren „Erste Lage“ und „Kellogg-Höfe“ können zentral in der Stadt zu verortende Dienstleistungsnutzungen und repräsentative Standorte für Unternehmenszentralen angesiedelt werden. Hier, im ersten Bauabschnitt, liegen auch die Oberschule sowie die Grundschule mit Kindergarten. Der Kellogg-Silo kann für Wohnlofts und die Lagerhallen als Markthalle mit gastronomischen Angebot für Werktätige, Touristen und Bewohner umgenutzt werden.

Die Raumaktivierende Wirkung von vor Ort bereits etablierten Zwischennutzern aus dem Bereich Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft (Atlaswerke Büro) sollten in die Entwicklung einbezogen werden und Ersatzflächen, ggf. im Gleisstrang, erhalten. Einrichtungen der beruflichen Aus- und Fortbildung können unmittelbar im Anschluss an den gut erschlossenen Knotenpunktpunkt Auf der Muggenburg/ Hansator angesiedelt werden. Eine Sondernutzung im Bereich Kultur und/oder Wissenschaft ist dem Atlasquartier vorgelagert an der Weserpromenade vorgesehen.

 

 

International eingeladene Mehrfachbeauftragung
Auslober: Freie Hansestadt Bremen, Kellogg Manufacturing GmbH & Co. KG, wpd AG.
Programm:  ca. 1.400 Wohneinheiten, ca. 90.000 m2 Gewerbe, Schulen, Kindergärten
Gesamtfläche: ca. 19 ha
Team SMAQ: Sabine Müller, Andreas Quednau, Julia Streletzki, Ksenia Chernobrovtseva, Marina Rondini
mit Man Made Land

Projekte, Stadt, Wettbewerbe
19/05/2018